„Aus der Art, wie ein Kind spielt, kann man erahnen, wie es seine Lebensaufgabe ergreifen wird.“
Rudolf Steiner

Der naturwissenschaftliche Unterricht

Es ist eine faszinierende Welt, die sich uns Zeitgenossen im Bereich der Naturwissenschaften eröffnet. Das Tatsachenwissen nimmt in ungeheurem Ausmaß zu, immer mehr interessante und spannende Einzelheiten im Bereich der Biologie, der Chemie und der Physik werden erkundet. Experimente führen tief hinein in molekulare und genetische Vorstellungsbildungen. Die dazugehörige Literatur nimmt ein übergroßes Ausmaß an, und auch die nicht wissenschaftlich vorgebildete Öffentlichkeit wird umfassend durch die verschiedenen Medien informiert. Kurz – die heutige Zeit ist die Ära der Naturwissenschaften.

Ausgerechnet die Waldorfschulen scheinen da am Rande zu stehen – aus Fortschrittsfeindlichkeit, wegen der geringeren Wertigkeit der Naturwissenschaften gegenüber den Geisteswissenschaften und der Kunst, aus mangelnder und nicht angestrebter Kompetenz? Diese dem Fortschritt wenig verpflichtete Haltung würde auf dem Rücken der Schülerschaft ausgetragen. So die Vorstellung und das Vorurteil, sogar der Vorwurf, welche hinsichtlich des Verhältnisses der Waldorfpädagogik zu den Naturwissenschaften häufig zu hören ist.

Doch wie verhält es sich tatsächlich?

Weiterlesen: Naturwissenschaftlicher Unterricht 2

Physikunterricht

Physik wird an der Waldorfschule in Epochen von drei bis vier Wochen pro Schuljahr unterrichtet. Unser Anliegen ist es, die vielfältig durchgeführten Versuche in all ihren Facetten mit den uns gegebenen Sinnen zunächst wahrzunehmen um danach das Erfahrene umfassend zu beschreiben. In einem weiteren Schritt werden Gesetzmäßigkeiten formuliert und angewandt und Alltagsbezüge hergestellt.

Der Physikunterricht beginnt in der 6. Klasse und wird in den ersten drei Jahren durch den Klassenlehrer bzw. die Klassenlehrerin erteilt. In den Epochen werden jeweils mehrere Teilgebiete der Physik, wie Akustik, Optik, Mechanik, Wärmelehre, Elektrizitätslehre, Magnetismus, Hydro- und Aeromechanik behandelt.

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Chemieunterricht

Der Unterricht im Fach Chemie an der Waldorfschule wird häufig als problematisch charakterisiert. Denn in wenigen Fachbereichen sind die Differenzen zwischen dem „Waldorfunterricht“ und dem „normalen Unterricht“, also der Art, wie Chemie an den Nicht-Waldorfschulen unterrichtet wird, so deutlich zu erkennen wie hier. Die Formeln, das zentrale Element einer „anständigen, modernen“ Chemie, werden erst sehr spät in der 10. oder 11. Klasse eingeführt. Modellvorstellungen hinsichtlich des Aufbaus der Materie, die dann ja „alles erklären können“, werden nur sparsam bemüht und oft durch historische Einordnungen relativierend nach betrachtet. Alles bleibt im Ungefähren, Anschaulichen, Bildhaften und damit in einem vorwissenschaftlichen Stadium stehen - so der Vorwurf. Ist das so?

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Biologieunterricht

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